Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz

Berlin Alexanderplatz - Panoptikum einer Großstadt

Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz" ist bis heute der wahrscheinlich bedeutendste deutsche Großstadtroman. Im Mittelpunkt des Romans stehen Franz Biberkopf, ein "kleiner Mann", der trotz guter Absichten immer wieder ins Straucheln gerät, und seine Gegenspielerin: Die moderne Großstadt. In den 1920er Jahren nahm der städtische Verkehr erheblich zu. Als das Buch 1929 erschien, war der Alexanderplatz ein pulsierender Knotenpunkt der Stadt. Der dreistöckige Untergrundbahnhof und die U-Bahn-Linie nach Osten wurden gerade gebaut, die Bauarbeiten rund um den Alexanderplatz bilden ein wesentliches Hintergrundgeräusch der Geschichte um Franz Biberkopf.

Franz ist frisch aus dem Tegeler Gefängnis entlassen. Mit der Straßenbahn fährt er nach Berlin-Mitte, verwirrt von der Hektik und dem Gewusel der Stadt, aber doch zuversichtlich, sein weiteres Leben als anständiger Bürger meistern zu können. Die Straßenbahnen quietschen und bimmeln, überall wird gebaut, Autos erobern die Straße, aber auch "alte" Verkehrsmittel wie Pferde und Handkarren sind noch präsent. An den Straßenecken preisen Zeitungsverkäufer und fliegende Händler lautstark ihre Waren an. Inmitten dieses Gewühls bewegt sich Franz Biberkopf durch die Stadt, die eigentlich zu groß, zu laut und vor allem viel zu schnell für ihn ist. Durch Häuserschluchten und über dunkle Hinterhöfe, in zwielichte Kneipen, schäbige Wohnungen und zweifelhafte Gesellschaft führt ihn sein Weg.

Berlin Alexanderplatz - Die Geschichte von Franz Biberkopf

In Reinhold glaubt Franz endlich einen Freund gefunden zu haben. Er ist fasziniert von dem attraktiven Reinhold, den eine Aura des Bösen umgibt, und so lässt er sich hineinziehen in den Sumpf des Verbrechens. Doch "verflucht ist der Mensch, der sich auf Menschen verläßt." Es ist Reinhold, der Franz verrät und ihn aus einem fahrenden Auto stößt, so dass er einen Arm verliert. Franz gibt den Kampf um das Anständigsein auf, und für kurze Zeit scheint es sogar, als habe er in der Halbwelt rund um den Alexanderplatz seinen Platz gefunden. Doch dann lässt er sich abermals auf Reinhold ein, der schließlich Franz Liebste Miezi vergewaltigt und ermordet. Franz, der einst wegen des Totschlags verurteilt wurde, gerät erneut in Verdacht und wird verhaftet. Nach dem Prozess, in dem Reinhold überführt wird, ist Franz physisch und psychisch völlig erschöpft.

Berlin Alexanderplatz - Ein Film mit Happy End?

Alfred Döblin war Armenarzt in Berlin. Er kannte die Stadt, ihre Menschen und deren Sprache genau. Mit "Berlin Alexanderplatz" setzte der frühexpressionistische Autor Maßstäbe. Aus schier endlosen Monologen, Assoziationsketten und nüchternen Aufzählungen "schneidet" Döblin den Roman wie einen Film. Bilder und Szenen verketten und vernetzen sich scheinbar ohne Zusammenhang, doch die wechselnde Sprache gibt Orientierung im Gewühl. Die scheinbare Unordnung und Hektik der modernen Massenwelt wird ins Apokalyptische überhöht und eine kommentierende Erzählerstimme aus dem "Off" lässt Böses ahnen. Franz ist verloren und auserwählt zugleich, aber er muss erst alles verlieren, um am Ende sich und seine Vernunft zu befreien: "Wach sein. Dem Menschen ist gegeben die Vernunft, die Ochsen bilden statt dessen eine Zunft."