Buddenbrooks- Der Verfall einer Familie

Buddenbrooks - Die 1. und 2. Generation

In vier Generationen wird das Schicksal der Lübecker Kaufmannsfamile Buddenbrook beschrieben. Johann Buddenbrook der Ältere ist ein humanistisch gebildeter Bürger, der das ungebrochene und unerschütterte Lebensgefühl des Bürgertums repräsentiert. Als preussischer Heereslieferant hat er das ererbte Vermögen vermehrt, und sein "Wille zum Leben" ist ungebrochen. Sein Sohn Konsul Johann Buddenbrook ist durchdrungen von bürgerlichem Ethos, doch sind diese Prinzipien für ihn nicht mehr Ausdruck von Lebensbejahung, und charakteristisch für ihn ist eine streng pietistisch- puritanische Lebenseinstellung. Er glaubt an "praktische Ideale" und hat im Gegensatz zu seinem Vater ein distanziertes verhältnis zu humanistischer Bildung. Als Kaufmann fällt er auf seinen betrügerischen Schwiegersohn Bendix Grünlich herein.

Buddenbrooks - Die 3. Generation

Das Motiv des Verfalls zeigt sich in unterschiedlichen Variationen bei seinen Kindern. Seine Tochter Antonie, genannt Toni, ist liebenswürdig und naiv, und das bleibt sie auch nach zwei gescheiterten Ehen. Die zweite, weit jüngere Tochter Clara ist religiös bigott und stirbt bald nach ihrer Heirat mit dem baltischen Pastor Tiburtius. Der Sohn Christian ist schon als Kind neurotisch. Er hat Phasen, in denen er "nicht wagt zu schlucken", zudem sind "alle Nervenenden zu kurz" bei ihm, und er spielt in der Lübecker Gesellschaft die Rolle eines Clowns und Partylöwen. Nur der älteste Sohn Thomas ist fähig, das Erbe zu übernehmen und zu mehren. Äusserlich erreichen die Buddenbrooks unter seiner Regentschaft den Gipfel ihres Erfolgs. Thomas wird Senator und schlägt bei der Wahl seinen Konkurrenten Herrmann Hagenström. Seine Frau Gerda, eine Holländerin eine hochbegabte Virtuosin von "nervöser Kälte" bringt Exotik und künstlerische Begabung mit in die Ehe. Der Sohn aus dieser Ehe, Hanno Buddenbrook, repräsentiert das letzte Stadium des Verfalls. Die Buddenbrooks müssen ihren Gewinn an Bewusstsein und Sensibilität mit dem Verlust ihrer Vitalität, und zuletzt gar mit Verlust ihres Vermögens und ihrer gesellschaftlichen stellung bezahlen. Thomas Buddenbrook ist mit Mitte 40 verbraucht, und stirbt ebenso tragisch, wie banal an einer Zahnoperation.

Buddenbrooks - Die 4.Generation

Hanno Buddenbrook ist zart und hypersensibel. Er ist ein schlechter Schüler, der unter seinen Altersgenossen keine Freunde hat und ein totaler Aussenseiter. Hanno ist, wie seine Mutter, ein hervorragender Pianist, und in seiner Person vollendet sich der Prozess der Entbürgerlichung der Buddenbrooks. Hanno stirbt mit 19 Jahren an Typhus, und seine Mutter kehrt mit dem arg zusammengeschrumpften Familienvermögen nach Amsterdam zurück.

Buddenbrooks - Hintergründe

Der im Untertitel erwähnte "Verfall einer Familie" darf allerdings nicht ausschliesslich negativ interpretiert werden. Aus der Auflösung tradierter Normen ergeben sich neue Lebensformen und neue Ansichten. In dem Masse, in dem die Buddenbrooks sensitiver werden und ihr ästhetisches Empfinden perfektionieren, geht ihnen das unerschütterte Lebensgefühl abhanden, das Johann Buddenbrook der Alte noch besass. Am auffälligsten ist dieser Prozess bei Senator Thomas Buddenbrook, von dem Mann in seinen "Betrachtungen eines Unpolitischen" sagt, dass er ein "später und komplizierter Bürger" ist, dessen Nerven in seiner Sphäre nicht mehr heimisch sind und der begonnen hat, seine Umgebung zu belächeln begonnen hat.