Ernest Hemingway: Der alte Mann und das Meer

Im Mittelpunkt des Romans steht ein alter kubanischer Fischer, für den im richtigen Leben ein alter Mann, der täglich in Hemingways Lieblingsrestaurant zu Mittag aß, Pate gestanden haben soll. Santiago fährt täglich hinaus auf das Meer, doch das Glück ist ihm nicht hold. In der ersten Zeit wird er begleitet von einem Jungen, Manolin, dem er ein väterlicher Freund und Lehrer ist. Nach insgesamt 84 Tagen ohne Fang, Santiago ist mittlerweile allein unterwegs, beschließt er, noch einmal alles zu wagen. Er fährt weit hinaus und schließlich beißt ein gewaltiger Schwertfisch an, länger als das kleine Fischerboot, und eigentlich zu stark für einen einzelnen, noch dazu für einen alten Mann. Doch es geht um mehr als nur den Fisch, dessen Fleisch Nahrung für Monate bedeutet. Und so gibt Santiago nicht auf. Zwei Tage und Nächte währt der einsame Kampf, in dem Santiago sich verzweifelt seinen kleinen Freund Manilo herbeiwünscht.

Die Handlung von "Der alte Mann und das Meer"

Santiago kämpft nicht nur gegen den Fisch, sondern auch mit ihm und gegen sich selbst. Immer weiter zieht der Fisch das Boot hinaus auf das Meer, und als Santiago ihn endlich überwältigen kann, ist er weiter draußen als jemals zuvor. Müde und geschunden macht er sich auf den Heimweg, nichtsahnend dass der Kampf noch nicht vorüber, der Sieg noch nicht errungen ist. Denn Haie entdecken die leichte Beute, mit letzter Kraft versucht Santiago seinen Fang, den Fang seines Lebens, gegen die Räuber zu verteidigen, aber seine Mühen sind vergeblich. Völlig erschöpft erreicht er den Hafen, an seinem Boot hängt nur noch ein Skelett. Manolin ist besorgt und kümmert sich liebevoll um seinen Freund. Der Junge ahnt die Bedeutung dessen, was auf dem Meer geschah. "Man kann vernichtet werden, aber man darf nicht aufgeben," so denkt Santiago - ein Hemingwayscher Held par excellence: einsam, tapfer, ehrenvoll. Ein Held noch in der Niederlage, die nur äußerlich den eigentlich Sieg nicht beschädigen kann.

Hintergründe zu "Der alte Mann und das Meer"

Bereits 1936 hatte Hemingway in der Zeitschrift "Esquire" die Erzählung "On the Blue Water" veröffentlicht, in der die Geschichte eines Fischers erzählt wird. Hemingway lebte lange auf Kuba und war selbst leidenschaftlicher Fischer und Jäger. 1952 erschien dann der Roman "Der alte Mann und das Meer", in dem das Motiv der Kurzgeschichte wieder aufgenommen wird. Hemingway, den die Kritiker nach seinen letzten Veröffentlichungen bereits abgeschrieben hatten, gelang mit "Der alte Mann und das Meer" der ganz große Wurf. Heute wird der einst enthusiastisch gefeierte Roman vor allem als Paradebeispiel des Hemingwayschen Erzählstils angesehen, wenn nicht gar als parodistische Überhöhung desselben. Lesenswert ist die spannende Geschichte allemal, zudem gilt der kurze Roman bis heute als Hemingways Meisterwerk - nicht zuletzt wegen diesem hat Hemingway 1954 den Nobelpreis für Literatur erhalten.