Dracula- Klassiker der Horrorliteratur

Wer kennt sie nicht, die Geschichte des Grafen aus Transsilvanien, der als Untoter seinen Sarg nur nach Einbruch der Dämmerung verlassen kann und kein Spiegebild besitzt. Allgemein bekannt wurde die Geschichte durch unzählige Verfilmungen, die den Stoff allerdings meistens sehr frei behandelten.

Dracula - Handlung

Graf Dracula, seit vierhundert Jahren ein "Untoter", lädt den Grundstücksmakler Jonathan Harker nach Transilvanien in seinem Schloss am Borgopass ein, um die Carfax Abtei nahe London zu kaufen. In dem düsteren Karpatenschloss überkommt den wackeren Makler bald das Gruseln. Dracula gerät beim Anblick von Blut in Raserei und scheint dazu noch Macht über die Naturgewalten und ein Rudel Wölfe zu haben. Harker fühlt sich bald schon als Gefangener des Grafen und beobachtet mit Entsetzen die rätselhaften Vorkommnisse. Dracula schleicht sich nachts aus seinem Schloss, wobei er wie eine Eidechse oder Fledermaus senkrecht die Schlossmauer hinab klettert. Harker ist dem Wahnsinn nahe und wird beinahe selbst Opfer des Vampirismus, als ihm drei weibliche Vampire Blut absaugen, die während Draculas Abwesenheit das Schloss bewachen. In einem Kellergewölbe entdeckt Harker das Geheimnis des Vampirs und kann gerade noch rechtzeitig fliehen.

Inzwischen ist Dracula aber an Bord des Schoners Demeter selbst nach England aufgebrochen, um neue Adepten zu gewinnen. Die sucht er in Harkers Bekanntenkreis und gewinnt Macht über den geisteskranken Zoophaken Renfield und über Lucy Westenraa, die Freundin von Harkers Verlobter Mina. Dr. Seward, ein mit Harker befreundeter Nervenarzt ist mit seinem Latein am Ende. Er wendet sich daher an seinen Mentor, den niederländischen Arzt und Philosophen Abraham Van Helsing. Van Helsing ist mit allen okkultistischen und medizinischen Wassern gewaschen, und der Superdämon Dracula bekommt als Gegenspieler sozusagen einen Superwissenschaftler. Allerdings kann Van Helsing nicht verhindern, dass Dracula Lucy zu seiner Elevin macht, die bald schon im Eastend Schrecken verbreitet. Van Helsing findet Mitstreiter in Quincey Morris, einem Verehrer Lucys und in Arthur Holmwood, ihrem Verlobten. Dazu kehrt der aus Transilvanien geflohene Harker zurück. Sie treiben Dracula in die Enge, indem sie ihm die Rückkehr zu seinen Särgen unmöglich machen. Dracula macht sich indessen an die jetzt mit Harker verheiratete Mina heran. Dann aber muss er in seinem letzten Sarg nach Transsilvanien fliehen, und die Verfolger heften sich an seine Fersen, um ihm nahe seines Schlosses einen Pfahl durchs Herz zu treiben, wobei allerdings Quincey Morris von den Zigeunern des Grafen getötet wird.

Dracula - Kritik und Rezeption

Bram Stokers Roman ist der letzte und einer der eindrucksvollsten der Gothic Novel. Bei seinen Recherchen liess sich Stoker von der historischen Persönlichkeit Vlad IV. Draculea inspirieren. Das erotisch sadomasochistische Motiv des blutsaugerischen Kusses ist bei Stoker nur angedeutet, doch so steif und puritanisch Bram Stoker als Mensch und Theateragent gewesen sein muss, die unterschwellige Erotik seines Romans ist beeindruckend. Das liegt nicht zuletzt an der Erzähltechnik. Die Protagonisten erzählen ihre Erlebnisse in Tagebuchform oder in Briefen, in denen sich die Spannung spiegelt. Die ersten Kapitel des Buches, der Aufenthalt Harkers im Karpatenschloss Draculas darf getrost dem Weltvorrat an schwarzer Literatur zugerechnet werden.