Die 50er waren nicht Homo Sapiens, sondern Homo Faber

Die Hauptperson in Max Frischs 1957 veröffentlichter Romanerzählung Homo Faber ist ein Ingenieur um die 50 Jahre. Walter Faber ist davon überzeugt, dass es für alles im Leben eine Ursache gibt, so glaubt er nicht an Schicksal oder mystische Fügung. Im Laufe der Geschichte erlebt dieser Roman-Anti-Held wunderliche Plot-Drehungen, die selbst den Leser überraschen. Schließlich gelangt er dadurch zu der Einsicht, dass sein materialistisches, technisches Verständnis einer maschinenähnlichen Welt nicht der Realität und ihrer Umstände entspricht.

Der Homo Faber als Protagonist

Der Roman Homo Faber gliedert sich ein, in eine Atmosphäre einer immer stärker zunehmenden Technologisierung der Welt in den 50er Jahren. Entsprechend des damit einhergehenden Wissenschaftsglaubens, eines Glaubens des Menschen, er hätte die Welt mit Hilfe der wissenschaftlich, technischen Methoden so ziemlich durchschaut, ist der Charakter des Homo Faber angelegt. Und gleichermaßen erzählt auch Frisch die Geschichte in einem sachlich wirkendem, konstruiert technischem Stil, welcher einzelnen Rädchen in einem Uhrwerk entsprechend die Handlung dem Leser erschließt.

Schicksalhafte Begegnungen des Homo Faber

Im Verlauf der Geschichte erfährt man, dass sich Walter Faber vor 20 Jahren von seiner damaligen Frau Hanna auf ihre Bitte hin, getrennt hat. Gleichzeitig war Hanna schwanger. Seine Tochter Sabeth lernt der Homo Faber dann jedoch erst auf einem Schiff in Richtung Frankreich kennen. Zu der Schiffsfahrt kam es nur, da dass Flugzeug, mit welchem Faber reiste, notlanden musste. Schon im Flugzeug saß er einer Fügung gleich neben dem Bruder seines alten Freundes Joachim, der Hanna geheiratet hatte.

Sabeth und der Homo Faber

Die junge Frau Sabeth und Walter Faber entwickeln eine Liebesbeziehung, keiner von beiden weiß zunächst von ihrem zutiefst verwandten Ursprung. Faber lässt sich von der jungen Frau mitreißen und erfährt eine Welt der Pflichtvergessenheit, die ihm zuvor unbekannt war. Er reist mit ihr in den Süden von Frankreich und gemeinsam erkunden sie Europa. Der Leser erfährt sich plötzlich mitten in der Hochzeitsreise des Homo Faber.

Die Dramatik im Homo Faber

Die dramatische Wendung folgt als Walter Faber und Sabeth den Besuch von Sabeths Mutter, also Hanna, Fabers Ex-Frau antreten. Sie erfahren von ihrer Verwicklung. Faber verleugnet und will der Wahrheit nicht ins Auge sehen. Gemeinsam versuchten sie doch daran zu glauben, dass nicht Walter Faber sondern Joachim der leibliche Vater Sabeths sei. Schließlich stirbt Sabeth durch eine Kette unglücklicher Aneinanderreihungen. An diesem Punkt ist die Persönlichkeit und das Weltbild Homo Fabers schon dermaßen durch das Zusammentreffen mit seiner Tochter verändert, dass er schließlich zu Hanna zurückkehren will.

Anlehnung des Homo Faber an den Ödipus

Ganz klar verweist Frisch in seinem Werk auf die antike Sage des Ödipus, des Mannes, der versuchte vor seinem Schicksal zu fliehen und dadurch unwissentlich direkt in das Rad des Schicksals hinein geriet. Ähnlich ergeht es der Figur des Walter Faber, indem er versucht die Welt als kalkulierbar zu betrachten und dabei von einer in die nächste schicksalhafte Situation stolpert.