Im Westen nichts Neues- Klassiker der (Anti)- Kriegsliteratur

"Im Westen nichts Neues" gehört neben Ernst Jüngers "In Stahlgewittern" und Ernest Hemingways "A Farewell to Arms" zu den bedeutendsten Werken von Autoren, die den I. Weltkrieg mitgemacht haben. Wie auch bei Hemingway, fällt auch bei Remarque das Wort von der "verlorenen Generation", die selbst, wenn sie dem Grauen der Schützengräben entkam, dem bürgerlichen leben entfremdet wurde. Remarque stellt den Kriegsalltag aus der Sicht einfacher Soldaten dar.

Im Westen nichts Neues - Die Handlung

Paul Bäumer und seine Kameraden sind Abiturienten, die zu Beginn des Krieges kritiklos begeistert sind und sich freiwillig zur Armee melden. Die erste Begeisterung verfliegt beim menschenverachtenden Drill des Unteroffiziers Himmelstoß, der dazu auchnicht den geringsten praktischen Wert für die Front hat. Paul und seine Kameraden werden von Katczinski, einem erfahrenen Veteranen in die Geheimnisse des Grabenkampfs eingeweiht. Ihr Leben verläuft in den kommenden Jahren zwischen "Trommelfeuer, Verzweiflung und Mannschaftsbordell", Jahre in der der Ich- Erzähler und seine Freunde zu "Menschentieren" werden. Ungemein plastisch werden die mörderischen Grabenkämpfe, die Patrouillen durch zerschossene Wälder und die Schrecken von Waffen wie Giftgas beschrieben. Als positiv sehen die Frontsoldaten eigentlich nur die Kameradschaft und Solidarität quer durch alle Dienstgrade an. Über die Ursachen des Krieges denken die Soldaten nicht weiter nach, diese Fragen bleiben völlig abstrakt und für den Ich- Erzähler ungelöst. Kat schlägt vor, alle Kaiser und Könige samt ihren Ministern sollten den Krieg mit Holzkeulen in einem Stadion ausfechten. Von Paul Bäumers Kameraden fallen nach und nach alle, schliesslich auch sein Freund "Kat". Ein Motiv in diesem Zusammenhang sind die Stiefel des Soldaten Kemmerich, der nur zögernd in den Krieg zog, und sein Bein und Leben verliert. Die Stiefel werden an die Kameraden weitergereicht, die bald alle sterben. Paul Bäumer fällt schliesslich in den letzten Kriegstagen im Oktober 1918 an einem Tag, der so ruhig ist, dass der Heeresbericht nur vermeldet "nichts Neues im Westen".

Im Westen nichts Neues -Hintergrund

In einem Prolog betont Remarque, dass das Buch weder eine Anklage, noch ein Bekenntnis sein soll. "Es soll nur der Versuch gemacht werden, über eine Generation zu berichten, die vom Krieg zerstört wurde, auch wenn sie seinen Granaten entkam". Dennoch wurde der Roman zu einer sprachgewaltigen Anklage gegen Krieg und Hurrapatriotismus, wobei auch Eltern und Lehrer ihr Teil abbekommen, die mit chauvinistischen Hetzreden diese "eiserne Jugend" in den Krieg hetzten. "Im Westen nichts Neues" war ein Buch, das in der Weimarer Republik polarisierte. Remarque wurde heftig angegriffen, und Goebbels organisierte Krawalle gegen die Verfilmung des Romans 1930 von Lewis Milestone. Im Nazireich gehörte Remarque zu den verfemten und verbotenen Autoren. Dennoch wurde das Buch ein Erfolg und in 32 Sprachen übersetzt. "Im Westen nichts Neues" ist auch heute noch ein Klassiker der Anti- Kriegsliteratur, und die Verfilmung von Lewis Milestone aus dem Jahre 1930 ist ein Meisterwerk des Anti- Kriegsfilms, das u. a. Regisseure wie Stanley Kubrick, bei der Bearbeitung des Films Path of Glory" inspirierte.