Fedor M. Dostojewski: Schuld und Sühne

"Schuld und Sühne", der "Roman in sechs Teilen mit einem Epilog" von Fedor M. Dostojewski erschien zum ersten Mal im Jahr 1866. Er ist der erste und formal wahrscheinlich der vollkommenste der fünf großen tragischen Romane Dostojewskis. Ein junger Mann übertritt durch einen Mord die ethischen und bürgerlichen Gesetze, durch die sühnende Kraft der Strafe und die heilende Kraft der Liebe wird er am Ende geläutert und findet seine Menschlichkeit wieder. "Schuld und Sühne" ist ein spannender Kriminalroman und gleichzeitig eine philosophische Tragödie, in der sprachlich und erzählerisch auf höchstem Niveau wesentliche Probleme der Weltanschauung Dostojewskis zum Ausdruck kommen.

Schuld und Sühne - Das Verbrechen

Der aus einer verarmten bürgerlichen Familie stammende Student Raskolnikov lebt losgelöst von den Menschen und der Gesellschaft in einem engen, dunklen, kleinen Zimmer in Petersburg. Die ursprüngliche Einheit des Seins ist ihm irgendwie abhanden gekommen. Stattdessen ist der 23-Jährige besessen von der Idee des rationalen Nutzens. Seiner Meinung ist es bestimmten "großen" Menschen erlaubt, "lebensunwertes" Leben zu vernichten, um "lebenswertes" zu erhalten und zu fördern. In seinem Fall ist es eine alte Frau, eine Wucherin, die "nicht besser ist als eine Laus" und mit deren Geld er sein Studium finanzieren will. Raskolnikov graut es vor der geplanten Tat, sein Unterbewusstsein sträubt sich dagegen und quält ihn mit schlimmen Träumen. Dennoch führt er den Mord aus, denn sein Verstand hält ihn für richtig, zudem ist die finanzielle Not groß. Einmal beschlossen drängt ihn die Idee des legitimen Verbrechens zur Tat: "Es war, als habe ihn jemand bei der Hand genommen und zöge ihn hinter sich her, unwiderstehlich, blindlings, mit übernatürlicher Kraft, die jeden Widerspruch ausschloß. Es war, als habe das Rad einer Maschine seinen Rockzipfel erfaßt und er würde nun hineingezogen und mit forgerissen".

Er ist kein eiskalter Profi, die geplante Tat wird zum Doppelmord an der Alten und ihrer Schwester, aber dem aufgewühlten Raskolnikov gelingt die Flucht. Nach dem Mord allerdings folgt der Zusammenbruch. Erst nach einem tagelangen Delirium kommt Raskolnikov in grenzenlos empfundener Einsamkeit wieder zu sich.

Schuld und Sühne - Strafe und Heilung

Durch eine erwachende Liebe glaubt Raskolnikov schon, die verlorene Menschlichkeit zurückgewonnen zu haben. Aber seine Liebste Sonja und der scharfsinnige Untersuchungsrichter Porfirij zeigen ihm, dass der Weg aus Einsamkeit und Schuld nur über Geständnis und Strafe gehen kann. Raskolnikov erkennt in immer neuen leidvollen Erfahrungen, dass er die Strafe als Sühne braucht. Die Rettung kommt indes durch Sonja. Am Ende der Erzählung, Raskolnikov verbüßt seine Strafe im einem sibirischen Arbeitslager, ist er plötzlich ganz erfüllt von Liebe. Sonja ist ihm freiwillig in die Ferne gefolgt und so rettet sie seine schon verlorene Seele. Ein neues Leben kann beginnen.